Hannover und der goldene Herbst

Ich möchte euch heute einfach mal an meinem Foto-Spaziergnag teilhaben lassen,

Es lässt sich nicht mehr leugnen geschweige denn verhindern: Der Herbst ist da. Ich als bekennende Sommer-Fetischistin habe mich bis jetzt vehement dagegen gewehrt, dass die warme Jahreszeit nun schon wieder vorbei sein soll. Aber alle Gebete waren umsonst, und ich muss mit herunterhängendem Kopf in den Keller stapfen um meine Winterjacke zu holen. Seufz……

So, nun aber Schluss mit der Heulerei – Herbst ist geiiiil! Nicht nur, weil ich im Herbst geboren wurde, nein, auch weil der Herbst einfach wunderwunderschön sein kann. Und Herbstklamotten auch – endlich mal wieder ein guter Grund shoppen zu gehen. Röcke mit Stiefeln, Stulpen und schöne Schals, dicke Strickjacken…die weiblichen Leser werden verstehen, was ich meine.

Heute ist mir allerdings nicht danach, durch Hannovers Geschäfte zu bummeln. Das Wetter ist derzeit wohl das, was man als goldenen Herbst bezeichnet, und daher zieht es mich nach draußen. Da ich in der schönen Oststadt wohne, brauche ich gar kein Ausflugsziel festlegen – ich bin mitten drin.

Ich liebe es hier zu wohnen, da der Stadtteil einen sehr quirligen Eindruck macht. Die Häuser haben oft tolle alte Fassaden, die Autos rumpeln durch die Kopfsteinpflasterstraßen und zu jeder vollen Stunde hört man Kirchenglocken schlagen. Ein bisschen wie auf dem Dorfe. Alleine in der Oststadt Hannovers haben wir drei Kirchen, wenn ich richtig zähle.

Ich gehe nun also eingepackt in meiner Winterjacke zunächst die Lister Meile hoch. Die Lister Meile ist sozusagen das Herzstück des Stadtteils. Sie schlängelt sich als nette Fußgängerzone bis zum Lister Platz hinauf. Hier gibt es Restaurants, Cafés und italienische Feinkostbistros, vor denen man bis in den Herbst hinein viele Genießer findet, die ihren Latte Macchiato oder ihren Apperol Spritz in geselliger Runde einnehmen.

Ich passiere die kleinen Geschäfte und begegne auf meinem Weg wie immer einigen jungen Müttern oder Vätern (hier leben viele junge Familien) und einigen Menschen, die ihre Mittagspause gerade an der frischen Luft verbringen. Natürlich höre ich auch den Türkischen Gemüseverkäufer, der mit seiner prägnanten Stimme jedem (!) hier vertraut ist. („Lecker, lecker, lecker, zwei Schalen für nur drei Euro!“). Es ist einfach „lebenswert“ hier, ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. Besonders schön ist es, in lauen Sommernächten bis spät am Abend in der Lister Meile zu flanieren, die so ganz anders ist, als die Fußgängerzone der Innenstadt, wenn überall noch lachende Menschen sitzen und das Leben und ihr Glas Wein genießen. Aber halt, die Sommer-Trauerei wollte ich ja beenden.

Als ich die Böderkerstraße überquere und am Lister Platz ankomme, sehe ich sie schon – die Eilenriede. Hannovers Stadtwald umfasst 640 ha und ist demnach einfach überall! Da soll noch mal einer sagen, Hannover sei keine grüne Stadt. Pah! Und die riesige Eilenriede ist nur EINE der grünen Flächen. Wobei grün zu dieser Jahreszeit nicht passt. Bunt trifft es eher! Besonders im Wald merke ich ja erst, wie herbstlich es wirklich ist! Und es haut mich wieder einmal um, wie schön die Natur ist. Raschelndes Laub am Boden, (noch) viele bunte Blätter an den Bäumen, die Sonne steht tief und wirft in einem Goldton ein paar Strahlen auf den Waldweg. Und das alles quasi mitten in der Stadt, von der du im Wald nichts mehr mitbekommst.

Zu jeder Jahreszeit bietet es sich an, die Eilenriede als Jogger zu durchqueren, und auch heute laufen viele davon an mir vorbei. Ich schlendere vorbei am Kletterpark, der erst im Frühjahr wieder öffnet und vorbei am Milchhäuschen, einem kleinen Café, das wirkt wie aus Brettern gebaut. Trotzdem halten dort gerne Radfahrer, Spaziergänger, Kinder, die ein Eis (Sommer) oder eine heiße Schokolade (Herbst) haben möchten oder Seniorinnen, die sich mit einem Glühwein den Tag versüßen (wie ich gerade sehen kann).

Als ich am Lister Turm ankomme, sehe ich, wie mein Lieblingsbiergarten im Herbst aussieht. Statt Menschen, die ihr Bier vor Wespen retten wollen, sehe ich zusammengeklappte Stühle und vor allem eines, nämlich einen unendlichen Laubteppich. Die Saison ist eben vorbei…aber der nächste Sommer kommt bestimmt. Und dann wird hier wieder getrunken, gelacht und Fußball auf der Leinwand geguckt. Zur EM 2016 wird hier sicher wieder einiges los sein. Heute aber nicht – und daher gehe ich wieder. Tschüss Freizeitheim Lister Platz, ich komme wieder!

Also stapfe ich mit meinen Lieblings-Herbststiefeln in meinem neuen Herbstrock weiter durch die Eilenriede.

Es ist schön hier. Ich atme tief ein und denke: Ich liebe den Herbst!

Liebe Grüße,

Ines

Kommentar schreiben


Name*

Email (wird nicht veröffentlicht)*

Dein Kommentar*

Kommentar absenden